Carcassonne: Die Grundregeln – Spiel des Jahres 2001

Hallo zusammen!

Carcassonne. Spiel des Jahres 2001

Das nächste Spiel, das ich euch näher bringen möchte, ist Carcassonne. Carcassonne wird von Hans im Glück verlegt und wurde 2001 zum Spiel des Jahres gekürt. Seither erfreut es sich einer riesigen Nachfrage und wird stetig um Erweiterungen ergänzt. Das besondere an Carcassonne ist, dass es einen sehr, sehr einfachen Grundregel-Satz mit sich bringt, sodass man schnell neue Spieler mit einbeziehen kann, auch wenn diese kurz vorher noch gefragt haben:

Carcassonne? Wer ist das? Kann man das Essen?

Diese einfachen Grundregeln zum Losspielen will ich euch in diesem ersten Beitrag einmal näher bringen.

Das Spielziel von Carcassonne ist denkbar einfach, man möchte am Ende des Spiels am meisten Punkte angesammelt haben – wie fast in den meisten Spielen. Punkte wiederum erhält man bei Carcassonne in erster Linie dadurch, dass man Spielplättchen geschickt aneinander legt und damit Städte, Straßen, Klöster und Wiesen baut – und beansprucht. Im Normalfall erhält man Punkte immer dann, wenn irgendwas des oben genannten durch weitere Plättchen „abgeschlossen“ wird, sodass es nicht mehr erweitert werden kann. Doch mehr dazu nachher im Detail.
Das ganze für sich wäre jedoch vielleicht noch etwas langweilig. Der Clou bei Carcassonne liegt insbesondere darin, die einzelnen Bereiche beansprucht zu haben, wenn diese fertiggestellt werden. Und natürlich gibt es Möglichkeiten, dass sich der Anspruchhalter plötzlich oder „schleichend“ ändert.

Doch weg von der hohlen Theorie ran an ein paar Beispiele. Wie funktioniert das alles denn nun genau?

Erst mal die Vorbereitung

Die Vorbereitung des Spiels ist denkbar einfach erledigt:

  • Das Punktezählfeld wird bereitgelegt
  • Die Punkteplättchen werden bereitgelegt
  • Das Startplättchen (dunkle Rückseite) wird in der Mitte des Tisches bereitgelegt
  • Alle anderen Plättchen werden verdeckt gemischt und verdeckt auf beliebig viele, beliebig hohe Stapel verteilt und so bereitgelegt, dass jeder an einige Stapel herankommt
  • Jeder Spieler erhält in seiner Farbe acht Holzfiguren (die so übrigens generell gerne erst einmal Meeple genannt werden. Warum Meeple? Eine Erklärung dafür findet ihr auf happymeeple.com)
  • Von jedem Spieler wird ein Meeple auf die 0 der Zähltafel gestellt

Zuletzt wird das Startplättchen umgedreht (in beliebiger oder zufälliger Ausrichtung). Und dann kann es schon los gehen.

Ein Spielzug

Zuerst eine Übersicht, danach dann die Details der einzelnen Schritte:

  1. Der Spieler nimmt ein Plättchen von einem beliebigen Stapel und deckt es auf, sodass alle Mitspieler es sehen können, und – ich zitiere die Anleitung wörtlich – „damit sie ihn beim Anlegen auch gut „beraten“ können“
  2. Der Spieler legt dieses Plättchen passend an die schon ausliegenden Plättchen an
  3. Danach darf der Spieler einen seiner Meeple auf dem gerade gelegten Plättchen einsetzen.
  4. Zuletzt wird geprüft ob „irgendetwas“ durch das Plättchen fertiggestellt wurde und dies ggf. gewertet, und beteiligte Figuren zurückgenommen.

Plättchen anlegen

An sich sind die Regeln zum Anlegen selbsterklärend:

  • Ein Plättchen muss waagerecht oder senkrecht an ein oder mehrere bereits liegende Plättchen angelegt werden
    –> Demzufolge ist es nicht erlaubt es schräg, diagonal oder irgendwo frei hinzulegen
  • Dabei müssen alle Seiten des Plättchens zu den angrenzenden Plättchen passen (Stadt an Stadt, Straße an Straße, Wiese an Wiese)

Meeple einsetzen
Das Platzieren der Meeple auf dem Spielfeld ist entscheidend, um letztlich an Punkte zu kommen. Denn die Meeple entscheiden darüber, ob etwas für den einen oder anderen (oder mehrere) Spieler gewertet wird. Dabei ist folgendes zu beachten:

  • Ein Meeple darf auf verschiedene Stellen eines Kärtchens gesetzt werden:
    • auf Straßen
    • in Städte
    • auf Klöster
    • auf Wiesen
  • Es gibt im Normalfall mehrere Möglichkeiten, wo genau man den Meeple platzieren kann, denn es ist fast immer so, dass auf einem Plättchen mehrere getrennte Städte-, Straßen- und/oder Wiesen-Abschnitte vorhanden sind.
  • Ein Meeple darf nur dort platziert werden, wo in allen verbundenen, gleichartigen Abschnitten noch kein anderer Meeple steht. Auch kein eigener.
    • Erklärung:
      • StadtEinfach

        Hier ist das Setzen erlaubt.

        Davon ausgegangen, dass auf dem Feld zwei Plättchen liegen, die eine verbundene Stadt ergeben, dort aber noch keine andere Figur steht, dann wäre es möglich, an diese Stadt anzulegen und die eigene Figur auf den neuen Abschnitt der verbundenen Stadt zu stellen.

      • So zu setzen ist verboten.

        So zu setzen ist verboten.

        Sofern bei der gleichen Situation jedoch schon eine andere Figur auf den verbundenen Stadtabschnitten steht (egal wo), darf man auf den angelegten Stadtabschnitt keine weitere Figur stellen, dieser Stadtabschnitt ist schon besetzt.

      • Dies gilt jedoch nur für die Bereiche, die schon besetzt sind, wenn also im gleichen Beispiel die Stadt schon besetzt ist, dann darf durchaus noch ein Meeple auf eine Straße oder Wiese, oder einen anderen Stadtabschnitt gesetzt werden – natürlich nur, sofern diese nicht auch schon besetzt sind.
        StadtEinfach_Erlaubt2

        Die Wiese ist weiterhin belegbar

        StadtEinfach_Erlaubt

        Auch dieser Stadtabschnitt kann besetzt werden

    • Auf Straßen, Städte und Klöster werden die Figuren gestellt. Dies symbolisiert, dass man diese nach der Wertung des jeweiligen Bauwerks zurück erhält.
    • Auf Wiesen hingegen werden die Meeple gelegt, was verdeutlichen soll, dass diese bis zum Spielende nicht zurück erhalten werden (für die Erklärung, schaut bei der Wertung weiter unten).
  • Weiterhin: Die Meeple, die auf einem Feld eingesetzt wurden, erhalten Bezeichnungen. Diese Bezeichnungen sind im Grundspiel noch nicht entscheidend, werden aber bei manchen Erweiterungen relevant.
Auf einer StraßeWegelagerer
In einer StadtRitter
In einem KlosterMönch
Auf einer WieseBauer

Fertigstellung von Bauwerken – Wertung
Nach jedem Zug wird geprüft, ob durch das neue Plättchen ein Bauwerk fertiggestellt wurde. Wenn ja, wird dieses direkt gewertet, und danach alle Figuren, die an dem Bauwerk eingesetzt waren, an die Spieler zurückgegeben. Die Frage ist jetzt, wann gilt etwas als abgeschlossen und was für Punkte gibt es dann?

  • Städte:
    Abschluss: Städte gelten dann als abgeschlossen, wenn die Stadt an keiner Plättchenseite mehr erweitert werden kann, also vollständig fertiggestellt ist.
    Wertung: Derjenige, der die meisten Ritter in der Stadt stehen hat, erhält pro Plättchen, aus dem die Stadt besteht und jedem blauen Schild auf den Plättchen der Stadt 2 Punkte. Sollte ein Figuren-Gleichstand herrschen, erhalten alle die volle Punktzahl.
    Beispiel: Abgeschlossene Stadt aus 4 Plättchen, auf einem Plättchen ist ein blaues Schild zu sehen: (4+1)*2=10 Punkte.
  • Straßen:
    Abschluss: Eine Straße gilt immer dann als abgeschlossen, wenn sie auf beiden Seiten ein Ende hat. Enden sind: Städte, Klöster, Kreuzungen/Kreuzungsdörfer.
    Wertung: Für eine Straße erhält derjenige mit den meisten Wegelagerer auf dieser Straße je Plättchen aus dem die Straße besteht 1 Punkt. Bei Gleichstand erhalten alle die volle Punktzahl.
    Beispiel: Eine Straße beginnt an einer Stadt, und ersteckt sich dann über insgesamt 6 Plättchen (inklusive Anfang und Ende) bis zu einer Kreuzung: 6*1=6 Punkte
  • Klöster:
    Abschluss: Klöster gelten als abgeschlossen, wenn alle 8 Plättchen um das Kloster herum gelegt worden sind, egal was auf diesen zu sehen ist.
    Wertung: Ein abgeschlossenes Kloster bringt immer 9 Punkte (eins je Plättchen aus dem es besteht).
    Beispiel: Ein Kloster wurde beansprucht und im Verlaufe des Spieles haben die Spieler überall um das Kloster herum Plättchen gelegt – aus verschiedensten Gründen. Dadurch erhält der beanspruchende Spieler 9 Punkte.
  • Wiesen
    Abschluss: SONDERFALL! Wiesen gelten niemals als abgeschlossen. (Auch nicht, wenn sie komplett von einer Straße umgeben sind.) Wiesen werden immer und ausschließlich am Ende des Spiels gewertet. Daher werden die Bauern auch nicht während des Spiels zurückgegeben.
    Wertung: Nachdem der letzte Zug gemacht ist, wird die Wiesenwertung durchgeführt, Wiese für Wiese. Derjenige mit den meisten Bauern auf der jeweiligen Wiese erhält je abgeschlossener Stadt, die an die Wiese grenzt 3 Punkte. Sollte auf einer Wiese Gleichstand zwischen mehreren Spielern existieren, erhalten alle die vollen Punkte. Manchmal ist es erforderlich, sehr genau und gründlich zu schauen, welche Bauern zu welcher Wiese gehören, da diese manchmal eine ziemlich große und auch verwinkelte Form erreichen.

    In der Wiese stehen zwei Bauern des einen Spielers und ein Bauer des anderen Spielers. Innerhalb und an der Wiese liegen 3 abgeschlossene und 4 unfertige Städte. Dies ergibt für den Spieler mit zwei Bauern 3*3=9 Punkte

    In der Wiese stehen zwei Bauern des einen Spielers und ein Bauer des anderen Spielers. Innerhalb und an der Wiese liegen 3 abgeschlossene und 4 unfertige Städte. Dies ergibt für den Spieler mit zwei Bauern 3*3=9 Punkte

Mehrere Figuren bei einer Wertung?
Fast jedes Mal, wenn ich jemandem Carcassonne erkläre, taucht eine Frage auf:

Wenn ich nur da Figuren hinsetzen kann, wo noch keine Figur steht, wie kann es denn dann sein, dass in einem Bereich mehrere Figuren stehen?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht direkt offensichtlich, aber doch einfach:

Man darf, wie schon beschrieben, nicht auf einen Abschnitt setzen, auf dem schon jemand steht. Aber man darf sich natürlich „in die Nähe“ auf einen anderen, gleichartigen Abschnitt stellen. Und später mit einem oder mehreren weiteren Plättchen die zuerst noch getrennten Abschnitte verbinden.

Und das ist einer der Knackpunkte für Carcassonne. Mehr dazu aber dann in einem nachfolgenden Beitrag.

Das Spielende
Es wird solang reihum im Uhrzeigersinn gespielt, bis das letzte Plättchen gelegt wurde. Der letzte Spielzug wird ganz normal beendet, danach folgt die Schlusswertung.

Die Schlusswertung

Bei der Schlusswertung werden alle bisher noch nicht abgeschlossenen Bauwerke mit Teilpunkten honoriert, und zudem als letztes die Wiesen gewertet.

  1. Teil- bzw. Restpunkte für nicht abgeschlossene Bauwerke vergeben:
    • Die Restpunkte der einzelnen Gebilde sind folgendermaßen zu berechnen:
      • Städte: Für jedes Plättchen und jedes Schild gibt es einen Restpunkt.
        • Beispiel: Die unfertige Stadt besteht aus 3 Plättchen, wobei auf zwei der Plättchen ein Schild ist: 3+2=5 Restpunkte
        • Unterschied zur normalen Bepunktung: Man erhält nur die halben Punkte pro Plättchen!
      • Straßen: Für jedes Plättchen gibt es einen Restpunkt.
        • Beispiel: Die nicht auf beiden Enden abgeschlossene Straße besteht auf 5 Plättchen: 5 Punkte
        • Unterschied zur normalen Bepunktung: Man erhält prinzipiell die gleichen Punkte pro Plättchen!
      • Klöster: Für jedes bereits gelegte Plättchen des Klosters gibt es einen Restpunkt.
        • Beispiel: Bei einem Kloster fehlte nur ein umliegendes Plättchen: 8 Plättchen (7 umliegende und das Kloster selbst) = 8 Restpunkte
        • Unterschied zur normalen Bepunktung: Man erhält prinzipiell die gleichen Punkte pro Plättchen!
  2. Wiesen werten:
    • Für jede vorhandene Wiese wird einzeln bestimmt, wie viele beendete, abgeschlossene Städte an oder innerhalb der Wiese liegen. Dabei ist es unwichtig, wie groß oder klein die Städte sind.
    • Derjenige mit den meisten Bauern auf dieser Wiese erhält dann je Stadt 3 Punkte
      • Beispiel: In und an einer großen Wiese liegen 3 fertige und 4 unfertige Städte. 3*3 = 9 Punkte (siehe Beispiel oben)
      • Beispiel: In und an einer kleinen Wiese liegen 6 fertige und keine unfertige Stadt: 6*3 = 18 Punkte
      • Beispiel: In und an einer winzigen Wiese liegen 4 fertige Städte und keine unfertige Stadt: 4*3 = 12 Punkte

Nachdem alle Punkte gewertet wurden, gewinnt der Spieler mit der höchsten Gesamtpunktzahl.

Das sind prinzipiell alle Regeln des Grundspiels. Im nachfolgenden Beitrag werde ich verdeutlichen, was dabei so besonders ist, wodurch eine ungleich große Spannung und Tiefe erreicht wird, und wahrscheinlich auch schon, wie Carcassonne in meiner Wertungsschablone aussieht. Wenn ihr eine Benachrichtigung erhalten wollt, sobald der Beitrag veröffentlicht wurde: Abonniert den Blog!

Grüße,

Jammy