Carcassonne: Was macht es so besonders?

Hi zusammen!

Nachdem ich euch im ersten Beitrag zu Carcassonne die absoluten Grundregeln näher gebracht habe, möchte ich heute einmal ein bisschen auf die Frage eingehen…

Was macht Carcassonne eigentlich so besonders?

Das, was an Carcassonne für so viele der „Suchtstoff“ ist, das sind eigentlich eher die Feinheiten, die sich so über die ersten zwei, drei Spiele entwickeln und irgendwann dann nochmal viel vielfältiger werden.

In den ersten paar Spielen…

Einschleichen und Wegschnappen!

In den ersten paar Spielen bekommt man schnell ein Gefühl für das, was ich gerne als Einschleichen und Wegschnappen bezeichne. Wer meinen Beitrag zu den Grundregeln gelesen hat, wird sich wahrscheinlich gefragt haben, wie man denn jetzt mehrere Figuren in ein Bauwerk / auf eine Wiese bekommt. Zur Erinnerung:

Carcassonne. Spiel des Jahres 2001

Es ist nicht erlaubt, einfach eine weitere Figur dort hin zu stellen, wo im verbundenen Abschnitt bereits eine Figur steht.

Alles andere schon.

Wenn man nun also beispielsweise „über einen Umweg“ einen Ritter (Meeple in der Stadt) nah an eine andere, bereits besetzte Stadt stellt, dann besteht eine große Chance, dass man die beiden Stadtabschnitte – mit den richtigen Plättchen – verbinden kann. Und schon stehen mehrere Figuren in einem verbundenen Abschnitt.
Das kann sogar ohne weiteres (z. B. bei großen Wiesen) so weit gehen, dass am Ende fünf oder gar mehr Figuren verschiedenster Spieler auf einer Wiese liegen.

Auf dieser Wiese haben sich das Spiel über sogar 7 Bauern angesammelt. Durch geschicktes Anlegen ist das möglich. Warum so viele? Diese Wiese, wie sie dort zu sehen ist, bringt 15 Punkte, hätte aber auch sehr schnell viel mehr Punkte bringen können.

Auf dieser Wiese haben sich das Spiel über sogar 7 Bauern angesammelt. Durch geschicktes Anlegen ist das möglich. Warum so viele? Diese Wiese, wie sie dort zu sehen ist, bringt 15 Punkte, hätte aber auch sehr schnell viel mehr Punkte bringen können.

Warum nun „Einschleichen und Wegschnappen“? Ich denke das ist eine gute Umschreibung für das, was man da tut: Man schleicht sich indirekt in ein Bauwerk / eine Wiese hinein und schnappt es bestenfalls sogar noch weg, indem man nachher mehr Figuren als andere darin stehen hat.

Eigener Vorteil? Behinderung anderer?

Auch erkennt man in den ersten Spielen schnell, dass man nicht nur zum eigenen Vorteil, sondern auch zur Behinderung der Mitspieler legen kann. Ein Beispiel:

Ein Plättchen zu finden, mit dem man die folgende Stadt abschließen kann, ist nicht so schwierig, man benötigt nur ein Plättchen, das im Uhrzeigersinn zwei Mal eine Wiese und einmal eine Stadt an der Seite hat. Die vierte Kante ist hierbei total egal. Davon gibt es einige Plättchen, und die Chance dass der Spieler seine Stadt fertigstellen kann (und damit die vollen Punkte bekommt), ist recht hoch. (Es gibt im alleine Grundspiel 7 Kärtchen, die die Stadt sofort abschließen würden.

Ein Plättchen zu finden, mit dem man die folgende Stadt abschließen kann, ist nicht so schwierig, man benötigt nur ein Plättchen, das im Uhrzeigersinn zwei Mal eine Wiese und einmal eine Stadt an der Seite hat. Die vierte Kante ist hierbei total egal. Davon gibt es einige Plättchen, und die Chance dass der Spieler seine Stadt fertigstellen kann (und damit die vollen Punkte bekommt), ist recht hoch. (Es gibt alleine im Grundspiel 7 Kärtchen, die die Stadt sofort abschließen würden.)

Möglichkeit 1 (5 Kärtchen insgesamt)

Möglichkeit 1 (5 Kärtchen insgesamt)

Möglichkeit 2 - 2 Kärtchen insgesamt

Möglichkeit 2 (2 Kärtchen insgesamt)

 

 

 

 

 

 

Wenn man dies im Kopf hat, dann gibt es plötzlich schon deutlich mehr Möglichkeiten, was mit mit den gezogenen Plättchen alles so ‚anstellen‘ kann. Die entscheidende Frage für diese Stadt ist: „Bekommt Pink 20 Punkte oder nicht“. Und das entscheidet man nur durch dieses eine Plättchen.

Sollte ich nun jedoch wie folgt anlegen, mache ich es ungleich schwerer, diese Stadt noch fertig zu stellen. Denn auf einmal passt dort nur noch ein Plättchen mit Wiese, Wiese, Stadt und Straße. Und das ist schon viel seltener.

Sollte ich nun jedoch wie folgt anlegen, mache ich es ungleich schwerer, diese Stadt noch fertig zu stellen. Denn auf einmal passt dort nur noch ein Plättchen mit Wiese, Wiese, Stadt und Straße. Und dieses Plättchen gibt es im Grundspiel nicht – erst in der 2. Erweiterung „Händler und Baumeister“.

Mit etwas Erfahrung, nach dem einen oder anderen Spiel…

Wiesen – Wann sind die sinnvoll? Wo haben die ihren Haken?

Nach einiger Zeit bekommt man dann auch ein Gefühl dafür, bei welchen Wiesen es wahrscheinlich Sinn macht, Figuren zu investieren. Manchmal kann man schon frühzeitig erahnen, welche Wiesen eher größer, welche eher kleiner werden. Andersrum kann es natürlich auch passieren, dass eine kleinere Wiese viele Mini-Städte hat oder haben wird, und dadurch auch besonders lukrativ wird. Wer dies frühzeitig erkennt und dann gegebenenfalls sogar noch weiter darauf hin spielt, ist schnell im Vorteil.

Der Haken bei den Wiesen wiederum ist, dass man natürlich jeden als Bauern eingesetzten Meeple für den Rest des Spiels nicht mehr für anderes zur Verfügung hat. Wenn ein oder zwei Meeple fehlen, mag das noch nicht so schlimm sein, aber wenn man dann schon drei oder vier Meeple verbraucht hat, dann kann es schnell knapp werden, sodass man später nur noch extrem eingeschränkt Meeple zur Verfügung hat.

Komplexere Ideen? Strategien?

Mit etwas Erfahrung beginnt man dann sogar die eine oder andere komplexere Idee zu entwickeln. Sei das nun der Gedanke „Ich baue mir eine große Wiese mit vielen kleinen Städten“ oder etwa der Gedanke „Ich setze auf eine große Stadt, mit Baumeister und Kathedrale, und alles was ich nicht brauche lege ich anderen in den Weg.“ (Entschuldigt, Kathedrale und Baumeister sind ein Spoiler auf die beiden großen Erweiterungen. Dazu in einem folgenden Post.) 

Und auf einmal beginnt man sich die Frage zu stellen:
„Macht es gerade eigentlich mehr Sinn diese zwei Punkte für die Straße mit zu nehmen, oder blockiere ich lieber die Stadt des stärksten Mitspielers?“

Straßen und diese komischen Grünflächen

Irgendwann erkennt man, dass Straßen nicht nur Straßen sind, sondern auch grundlegend den Verlauf von Wiesen beeinflussen. So weit, dass man irgendwann sagt

„Oh ich hab hier ’ne Kurve… spannend…“

aber gleichzeitig denkt:

„Ne Kurve… die Wiese hier drauf ist viel entscheidender!“

Kommt es häufig anders als man denkt?

Und immer wieder stellt man fest, dass es doch häufig anders kommt als man denkt. Vor zwei, drei Zügen dachte man gerade noch, man könnte sich doch vielleicht noch in die große Stadt einklinken oder sie gar übernehmen, doch plötzlich kommt ein anderer daher, der überhaupt nichts mit der Stadt zu tun hat, und legt im falschen Moment an der falschen Stelle einfach so eine Straße.
Oder man weiß, es gibt nur noch genau ein einziges Plättchen, was den eigenen, perfiden Plan kaputt machen kann, und

„Das kommt sicher noch nicht, wir haben noch soooo viele Plättchen liegen…“

Jo, natürlich. Ich denke, ich brauche nicht sagen, was dann passiert.

 

Und letztendlich…

Das eine, einzige Plättchen?

Man erwischt sich mit der Zeit immer häufiger dabei, wie man auf das „eine Plättchen“ wartet. Das eine, dass alles perfekt macht. Ganz egal, ob man nun bei den letzten zu legenden Plättchen ist, und noch auf das eine Plättchen zum Abschluss der Stadt wartet, oder ob es das eine Plättchen ist, dass die riesige Wiese mit den zwei fehlenden Bauern verbindet. Oder das eine Plättchen, das über Sieg und Niederlage entscheidet.

In dem Zusammenhang: Wenn man häufiger spielt, macht man immer wieder einmal Gebrauch von den Plättchen-Übersichten, die auf den meisten Anleitungen aufgedruckt sind, um zu schauen:

„Gibt es das Plättchen noch?“

„Gibt es das überhaupt?“

Anhand dieser Plättchen-Übersicht kann man sich leicht einen Überblick verschaffen, ob was bei bestimmten Konstellationen überhaupt noch Möglichkeiten gibt, das ganze abzuschließen oder eben nicht.

Anhand dieser Plättchen-Übersicht kann man sich leicht einen Überblick verschaffen, ob was bei bestimmten Konstellationen überhaupt noch Möglichkeiten gibt, das ganze abzuschließen oder eben nicht.

Das ist doch offensichtlich, oder?

Immer wieder wird auffallen, dass das Offensichtliche manchmal gar nicht so offensichtlich ist. Man befindet sich in den letzten Zügen, jeder wird noch genau zwei Karten legen. Was macht man – getrieben von seiner Einfältigkeit? Man versucht mit den letzten beiden Kärtchen noch so viele Punkte wie irgendwie möglich zu machen. Also sucht man sich bei einem Plättchen mit einer Stadt noch die letzten unbesetzten Städte, um wenigstens noch 4 oder 6 Punkte zu ergattern. Und man freut sich wenn man diese noch findet.
Und nachdem das Spiel dann vorbei ist, und die Endwertung gemacht wird, fällt es einem wieder ein:

„Die Wiesen!“

Man hätte mit dem Plättchen auch einfach noch eine freie Wiese besetzen können, die dann vielleicht sogar 9 oder gar 12 Punkte gebracht hätte.

„Zu spät, naja, dann eben beim nächsten Mal.“

Und wenn dann noch mehr dazu kommt…

All das was ich bisher beschrieben habe, das trifft schon zu sobald man sich nur mit dem Grundspiel beschäftigt (abgesehen von dem einen kleinen Spoiler). Aber noch viel interessanter wird das ganze dann, wenn die beiden ersten, großen und wichtigen Erweiterungen dabei sind, die sich bisher in jeder Carcassonne Big Box finden. Aber dazu komme ich dann in den nächsten Beiträgen, wo ich Carcassonne und seine beiden Haupt-Erweiterungen dann auch werten werde.

Grüße,

Jammy

 

6 Kommentare

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